Donnerstag, 6. August 2020

Golden Age Premier GA-800G

geschrieben von  |  Sonntag, 05 Juli 2020 15:05  |  Freigegeben in Studiotechnik

Als ich erfahren habe, dass von Golden Age Premier eine Kopie des legendären Sony C-808G erscheinen soll, war für mich sofort klar so eins muss ich haben. Nach einiger Wartezeit war es dann soweit und ich konnte eines der ersten GA-808g in Händen halten. Ich war vom ersten Tag an absolut begeistert von diesem doch etwas seltsam aussehenden Mikrofon, dass ich nun seit drei Monaten besitze. Das Original Sony C-808G ist eines der teuersten Mikrofone überhaupt und wird meist über 10.000€ gehandelt. Da es keine CE Kennzeichnung hat, kam es leider nie in Deutschland auf den Markt. Somit war es noch schwieriger bei uns überhaupt eines zu ergattern. Umso besser das es nun mit dem GA-808g eine Alternative gibt.

 

Technische Daten:

Microphone Type:            Tube Condenser
Polar Pattern:                    Cardioid, Omni
Frequency Response:       20Hz-20kHz
Max SPL:                          137dB (Cardioid), 140dB (Omni)
Output Impedance:           100 ohms
Signal to Noise Ratio:       76dB
Self Noise:                        18dB (A weighted)
Tube:                                 6AU6


Das wohl außergewöhnlichste Feature des GA-808g ist sein integriertes Peltierelement und der riesige rückwertige Kühler. Im GA-808 wird nämlich mit einem aktiven Kühlelement die Röhre gekühlt und die Wärme durch die Kühlrippen abgegeben. Dies soll das Rauschen auf ein Minimum reduzieren. Im Großen und Ganzen ähnelt das GA-808g dem originalen Sony wie ein Ei dem anderen, wäre da nicht die etwas nicht ganz passende Halteschraube der Kühlrippen. Geliefert wird das GA-808g in einem riesigen Karton, in dem sich ein hochwertiger Koffer befindet, der das Mikrofon, eine Rycote Spinne und die Kabel enthält und leider extra verpackt das Netzteil, was ich persönlich etwas unpraktisch finde. Meiner Meinung nach sollte man alles in einem Koffer verstauen können. Ein individuelles Frequenzdiagramm sucht man leider wieder vergebens, meiner Ansicht nach aber auch nicht notwendig. Im Vergleich zum Mikrofon ist der Hersteller, was den Nachbau des Netzteils betrifft, leider etwas inkonsequent und verzichtet aus klanglicher Sicht auf die originale Schaltung mit zwei Röhren. Auch optisch hat es mit dem Original absolut nichts gemeinsam. An der Front des GA-808g befindet sich ein Schalter für die Richtcharakteristik, wo man zwischen Niere und Kugel wählen kann. Am Netzteil gibt es lediglich an der Front einen Einschaltknopf und auf der Rückseite einen zusätzlichen Schalter mit dem sich das Netzteil von der Erde entkoppeln lässt. (Sollte es irgendwann mal zu lästigen Brummgeräuschen kommen)

Wie bis jetzt bei jedem Golden Age Premier Mikrofon sind alle Komponenten mit einer Seriennummer versehen. Qualitativ gibt es beim GA-808g absolut nicht zu bemängeln. Es besteht kein Zweifel: das GA-808g ist das hochwertigste Mikrofon der Premier Serie. Die Verarbeitungsqualität könnte nicht höher sein. Egal wie genau man auch sucht, es gibt eigentlich nichts was man besser machen könnte, höchstens vielleicht dem Netzteil auch einen Tuchelanschluss spendieren und die hässliche Schraube gegen eine optisch passendere Variante zu ersetzen. Dies ist aber wirklich Jammern auf höchstem Niveau.

 

Beim Bau des GA-808 wurden wie bereits bei anderen Premier Nachbauten ausschließlich hochwertige Bauteile gewählt. So wurde z.B. eine vergoldete ROGERS Keramik Leiterplatte verwendet, diese werden normalerweise in High-End-Kommunikationsprodukten für die Luft- und Raumfahrt verwendet. Als Röhre kommt eine NOS CIFTE 6AU6-Röhre aus Frankreich mit einer maximalen Anodenspannung von ca. 300V zum Einsatz. Diese Röhre in dieser Schaltung hat eine Anodenspannung von 90 V und erzeugt mehr Wärme als Röhren in vielen anderen Röhrenmikrofonen, die typischerweise Spannungen zwischen 35 und 50 V verwenden. Leider schweigt der Hersteller was die Herkunft der Kapsel betrifft.

Da ich bereits mehrere Mikrofone der Golden-Premier Serie zum Test hatte, waren meine Erwartungen dem Klang betreffend auch hier natürlich wieder sehr hochgesteckt. Nach einer Aufwärmzeit von ca. 30 Minuten begann ich die ersten Testaufnahmen und konnte die Auflösung des GA-808 kaum fassen. Ich kenne nun bereits wirklich sehr viele Mikrofone und hatte die besten der Welt zum Test. Zu was aber das GA-808 fähig ist, habe ich bis dato nicht gehört. Für manche mag es schon fast zu viel des Guten sein. Egal was im Raum oder vor dem Mikro passiert es verzeiht nichts. Ich weiß leider nicht mehr wer es gesagt hat, aber ein Tonstudiobesitzer machte mal die Aussage, dass sogar die Nasenhaare zu hören sind und dies ist tatsächlich fast so. Ich finde die Abstimmung dieses Mikrofons perfekt. Es ist eines der wenigen Mikrofone, für das es so gut wie keinen EQ braucht und auch keinen Hochpassfilter. Der Grundklang des GA-808 ist im Vergleich zum GA-47XT moderner und weniger färbend. Die Mitten betreffend, ist es wesentlich zurückhaltender, was meiner Meinung nach zu nasalen Stimmen perfekt passt. Dies heißt aber keinesfalls, das es weniger schmeichelnd ist, wie z.B. das GA-47XT. Es hat sehr saubere Höhen, genügend Luft und einen Schmelz, der ebenso unter die Haut geht, wie auch beim GA-47-XT, allerdings anders. Es ist schwer zu beschreiben und sollte jeder selber probieren. Das Rauschverhalten ist absolut hervorragend und auch bei Aufnahmen leiser Instrumente nicht wahrnehmbar. Auch bei den anderen technischen Merkmalen, wie der maximale Schalldruckpegel von 137 dB SPL (Niere) und 140 dB (Kugel), sowie die Empfindlichkeit von -33dB/Pa und dem Signal-Rausch-Verhältnis von 76 dB lässt sich der Hersteller nicht lumpen. Ob es nun klingt wie das Original kann ich leider nicht beurteilen, da ich kein originales Sony besitze. Es gibt aber bereits einige andere Vergleiche im Netz, bei dem zumindest ich keinen Unterschied zum Original erkennen kann. Wie es scheint, hat der Hersteller hier eine hervorragende Arbeit gemacht.

>>>Audiogerätebestenliste<<<

Fazit:

Das GA-808g zählt definitiv zu den besten Mikrofonen, die ich bis jetzt in Händen hatte. Die Verarbeitung ist einwandfrei und klanglich ist es ein absoluter Ohrenschmaus. Zu einem Preis von ca. 4000€ ist es wahrlich kein Schnäppchen mehr, im Vergleich zum Original aber nicht mal die Hälfte. Das GA-808g erhält somit eine klare Kaufempfehlung. Für Interessierte ist der deutsche Vertrieb digitalaudioservice eine gute Anlaufstelle für ein eventuelles Probehören usw..



 Tester: Tobias Brandl

Vielen Dank an Golden Age Project für die Bereitstellung des Mikrofons.

Oktava MK-117

geschrieben von  |  Sonntag, 03 Mai 2020 17:11  |  Freigegeben in Studiotechnik

 

Eigentlich sollte dies ein Bericht des MKL-5000 werden: das Topmodell des bekannten russischen Herstellers Oktava. Mangels Verfügbarkeit wurde mir daher das neue MK-117 zur Verfügung gestellt. Preislich liegt es mit 520€ im unteren Preissegment und muss sich daher in einem hart umkämpften Markt behaupten. Das MK-117 ist ein Kondensatormikrofon mit fester Nierencharakteristik und sieht durch sein Vintage-Bottle-Design hervorragend aus. Ich hatte bereits mehrere Mikrofone von Oktava, wie z.B. das MKL-2500, das sehr gut war. 

Golden Age Premier GA-47 Extended Röhrenmikrofon

geschrieben von  |  Montag, 30 Dezember 2019 07:41  |  Freigegeben in Studiotechnik

Mit dem GA-47 Extended ist vor kurzem ein weiteres Golden-Premier Mikrofon von Golden Age erschienen. Es ist nun bereits das dritte Mikrofon im Bunde. Das GA-47 XT ist, wie könnte es anders sein, ein Klon des Neumann U47; für mich nach wie vor eines der besten Mikrofone aller Zeiten. Gut erhaltene Originale sind kaum mehr erhältlich und wenn, zu horrenden teils 5-stelligen Preisen. Ein Grund für einige Hersteller die Legenden durch Nachbauten wieder aufleben zu lassen. Der größte Unterschied zum normalen GA-47 ist, dass sich nun beim GA-47XT die Kapseln tauschen lassen, wie es auch beim Original U47 möglich ist. Es gibt zwei unterschiedliche Kapseln, eine Vintage und eine moderne Version, letztere klingt etwas heller und moderner abgestimmt. Zudem ist es möglich originale Kapseln am GA-47XT zu verwenden, das Problem ist lediglich welche zu bekommen. Die wechselbaren Köpfe haben auch einen Richtcharakteristik-Schalter am Einsprechkorb. Im Vergleich zum Original hat das GA-47XT einen zusätzlichen Pad-Schalter -10dB, sowie einen Groundlift-Schalter, um das Mikrofon bei evtl. Brummgeräuschen von der Erdung zu trennen. Ich hatte bereits einige Geräte des Herstellers zum Test hier und war jedes Mal begeistert vom hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis, insbesondere von der Golden-Premier Serie, die kaum Kompromisse eingeht, was die Qualität und Klangqualität betrifft. An dieser Stelle geht mein Dank wieder an Bo Medin, der mir ohne viele Umstände ein Testexemplar zukommen ließ. Laut Hersteller soll das XT klanglich dem bereit länger auf dem Markt befindlichen GA-47 entsprechen, was aber im positiven Sinne absolut untertrieben ist. Mehr dazu aber später.

Golden Age Premier GA-251 Röhrenmikrofon

geschrieben von  |  Donnerstag, 20 Juni 2019 14:03  |  Freigegeben in Studiotechnik

Nach dem bereits getesteten GA-47 möchte ich mich in diesem Bericht einem weiteren Mikrofon der Golden-Premier Serie von Golden Age widmen. Ich hatte schon einige Geräte des Herstellers zum Test hier und war jedes Mal begeistert vom hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis der Geräte, insbesondere von der Golden-Premier Serie, die kaum Kompromisse eingeht was die Herstellung betrifft. Gerade durch die Punkt zu Punkt Verdrahtung haben diese Mikrofone in dieser Preisklasse ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. An dieser Stelle geht mein Dank wieder an Bo Medin, der mir ohne viele Umstände ein Testexemplar zukommen ließ. Das GA-251 ist wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt ein Klon des Telefunken ELA-251, für mich eines der besten Mikrofone aller Zeiten. Gut erhaltene Originale sind kaum mehr erhältlich und wenn zu horrenden teils 5-stelligen Preisen. Ein Grund für einige Hersteller die Legenden durch Nachbauten wieder aufleben zu lassen.

BSA UM49B Röhrenmikrofon

geschrieben von  |  Freitag, 05 April 2019 14:38  |  Freigegeben in Studiotechnik

Nach dem bereits getesteten UM4X möchte ich mich in diesem Bericht einem weiteren Mikrofon des Schweizer Herstellers BSA widmen. Ich hatte schon einige Modelle des Herstellers zum Test und war jedes Mal begeistert von der hervorragenden Verarbeitung und natürlich auch dem Klang der Mikrofone. In diesem Review geht es um das UM49B. Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, handelt es sich hier wie könnte es anders sein, um einen M49 Klon, für mich eines der besten Mikrofone aller Zeiten. Gut erhaltene Originale sind kaum mehr erhältlich und wenn, dann zu horrenden teils 5-stelligen Preisen. Ein weiterer Grund für einige Hersteller die Legenden durch Nachbauten wieder aufleben zu lassen. Da es manche Teile nicht mehr gibt, ist dies eine große Herausforderung, den Klang der alten Mikrofone gut möglichst zu imitieren.



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